Freitag, 6. Januar 2023

5.Januar. Chimaera - Das Geheimnis des brennenden Berges

 Zwanzig Minuten soll der Aufstieg auf den 250 Meter hohen Yanar dauern, ich brauche 40 mindestens. Zum Glück trauen wir uns nicht, den unebenen Weg in der Dämmerung oder im Dunkeln zu gehen, wenn man die Flammen am besten sehen kann. Die Jugend wandert Abends ausgestattet mit Wein, Grillgut und Musik hinauf. Das hört sich sehr romantisch an und ist bestimmt ein tolles Erlebnis, aber Alles hat eben seine Zeit.  Wir gehen bei hellem Tageslicht, Udo dreht schon nach den ersten Metern um, das kann er mit seinem Knie schon nicht. 



Da ist der Weg noch einigermaßen ok. 



Dann kommt ein nettes Stück bevor es richtig losgeht



Die Stufen sind teils so hoch, dass ich nicht weiß, wie ich raufkommen soll und mir eine andere Möglichkeit suchen muss. 

Mehrmals bin ich kurz vorm Aufgeben, zumal mir die Luft fehlt beim Aufstieg und man nie sehen kann, wie weit es noch ist. Aber ich schaffe es. Der Wald lichtet sich  und gibt den Blick frei auf ein Felsplateau, auf dem, so scheint es, sechs, acht, zehn kleine Lagerfeuer lodern, bis zu 30 Zentimeter hoch. Aber niemand hat hier Holz zu Haufen getürmt. Aus kleinen Felsspalten züngeln die Flammen, seit Ewigkeiten schon und ganz von allein.





Es ist ganz schön warm in der Nähe der Flammen




 In der Antike waren die Flammen wie ein Leuchtfeuer auf dem Meer zu beobachten, wohl bis zu einem Meter hoch und wiesen den Schiffen den Weg. Angeblich ist auch hier das erste olympische Feuer entzündet worden. 

Doch wie entsteht das Feuer? Es sind Erdgase, die hier aus Rissen, Spalten und kleinen Löchern entweichen und sich entzünden. Das Gas fackelt sich sozusagen ab. "Yanartas" brennender Stein nennen die Türken diesen Ort. Oder auch: Chimaera, weil hier die sagenhafte Chimäre zu Hause war. 

                     Die Sage um das Ungeheuer von Chimäre:                               

Überlieferungen zufolge sind es die letzten unauslöschlichen Spuren eines sagenumwobenen Kampfes um Leben und Tod. Der Dichter Homer beschrieb die Chimäre als ein dreiköpfiges Monster. Es hatte den Kopf eines Löwen, einer Ziege und einer Schlange und lebte einst in Lykien. Es verbreitete in der Region Angst und Schrecken, äscherte ganze Dörfer mit seinem feurigen Atem ein, brachte Menschen um und zerstörte die Ernte. Die Chimäre war im Königreich Lykien zur großen Plage geworden.

Einst noch ein Jüngling kam der tapfere Bellerophontes eines Tages an den Hof von Jobates, dem König von Lykien. Der König beauftragte ihn, das feuerspuckende Ungeheuer zu vernichten. Bisher war es noch keinem gelungen das Monster zu besiegen. Auch König Jobates rechnete fest damit, dass Bellerophontes scheitern und den Tod finden würde. Doch der Jüngling hatte die Göttin Athene auf seiner Seite. Sie sorgte dafür, dass Bellerophontes mit Hilfe des geflügelten Pferdes Pegasus in die Schlacht gegen die Bestie ziehen konnte. Auf Pegasus Rücken nahm der Held die Chimäre mit Pfeil und Bogen unter Beschuss. Doch ein Pfeilhagel allein tat der mächtigen Bestie nichts zu Leide. Vielmehr drohte der feurige Atem des Ungeheuers den Helden zu verbrennen. Als er der feuerspeienden Bestie so nahe kam, dass er die Hitze ihres Atems spürte, kam ihm eine großartige Idee. Das Monster war nur durch seine eigenen Kräfte zu besiegen. Somit beschaffte er sich einen Bleiklumpen und steckte diesen auf die Spitze seines Speers. Er griff die Bestie frontal an und stieß dem Ungeheuer seinen Speer in den Rachen. Der heiße Atem des Biestes schmolz das Blei. Es breitete sich im ganzen Rachenraum aus und die Bestie erstickte an dem Metallklumpen. Dort wo das sterbende Monster zu Boden fiel, sollen nun die Feuer der Chimäre – die letzten unauslöschlichen Spuren dieses Kampfes um Leben und Tod – brennen.

Übrigens: Unter vorgehaltener Hand wird sogar noch heute gemunkelt, dass die Chimäre nicht wirklich getötet worden sei. Das göttliche Fabelwesen lebe unter dem harten Felsengestein und dessen Atem gelange noch heute an die Oberfläche und halte die Feuer am Brennen.

Hephaistos-Kult

Solche Feuererscheinungen wurden aber auch als sichtbare Zeichen des kunstfertigen Feuergottes Hephaistos gedeutet. Der Sohn von Zeus, der als Kunstschmied die anderen Gottheiten mit Waffen und Schmuck versorgte, wurde er im benachbarten antiken Ort Olympos als Hauptgott verehrt. Im unteren Teil des Flammenfeldes befinden sich Architekturfragmente, die auf einen Hephaistos-Tempel hindeuten, der hier einst von den Bewohnern von Olympos errichtet wurde. Dieser Tempel wurde aber, wie auch an anderen Orten, während des aufkommenden Christentums zerstört und durch eine kleine dreischiffige Basilika, die sich jetzt direkt unterhalb des Flammenfeldes befindet, ersetzt. Von ihr stehen noch einige Mauern.







Ich bin doch froh, heil wieder unten angekommen zu sein. Udo hat in der Wartezeit neue Freunde gefunden. 



Nun fahren wir wieder Richtung Antalya, diesmal finden wir den Weg  in die Stadt hinein  an der wunderschönen Promenade am Meer entlang. 




Und dann sind wir plötzlich mitten in der Altstadt aber mein A-Fahrer macht das mit links, auch wenn Autos, Radfahrer und Motorräder von allen Seiten kommen. 






Und irgendwann sehen wir wieder den "Ein Stern, der uns den Heimweg weist" und freuen uns auf das köstliche Abendessen, das uns erwartet. 


1 Kommentar:

  1. Tolle Tour und sehr eindrucksvolle Schilderung, Glückwunsch, das Du das gemacht und geschafft hast

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22.Januar

  Es ist soweit, wir müssen nach Hause. Am liebsten hätten wir noch verlängert und das wäre auch besser gewesen, als mit Erkältung zu fliege...